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Horst Küppers

Das mineralogische Institut und Museum, Gustav Karsten und Johannes Lehmann-Hohenberg

Seit Ende des 18. Jahrhunderts wurden von den folgenden Kieler Professoren kleinere Sammlungen von Mineralen angelegt, die sie zur Demonstration in den Vorlesungen nutzten: Fabricius (1745 - 1808), Schrader (1763 - 1832), Pfaff (1773 - 1852), Wiedemann (1770 - 1840). Diese Sammlungen, die an verschiedenen Orten aufbewahrt waren, wurden 1841 vorläufig im Warleberger Hof (!) untergebracht. Nach weiteren Zukäufen wurden zwei Zimmer im Schiffschen Hause (Schlossstraße) gemietet, wo der Platz schließlich auch nicht mehr reichte. Gustav Karsten wies daher nach seiner Berufung nach Kiel sehr nachdrücklich auf die Notwendigkeit der Bereitstellung von geeigneten Räumlichkeiten für die Unterbringung der Sammlungen hin, woraufhin 1854 ein Haus in der Küterstraße von der Universität gekauft und umgebaut wurde.

Gustav Karsten, geboren am 24.11.1820 in Berlin, wurde 1847 von Berlin nach Kiel berufen, zunächst als außerordentlicher Professor der Physik, Mineralogie, Geologie, Geognosie und physikalischen Geographie. 1851 wurde seine Professur in ein Ordinariat für Physik und Mineralogie umgewandelt. Karsten war einer der fünf Physiker gewesen, die 1845 in Berlin die Deutsche Physikalische Gesellschaft gegründet hatten. Während seiner Kieler Zeit hat er sich in der Forschung praktisch nur mit physikalischen, kaum mit mineralogischen Problemen beschäftigt, hat aber seine Lehraufgaben in Mineralogie sorgfältig erfüllt. Auch lag ihm die Pflege des mineralogischen Museums sehr am Herzen. Er hat durch Zukäufe, Schenkungen und Tauschaktionen den Bestand der mineralogischen Sammlungen beträchtlich vergrößert. Nach der Einrichtung des mineralogischen Lehrstuhls im Jahre 1868 gab Karsten 1873 das Direktorat für die mineralogischen Sammlungen ab, behielt aber das für die geologische Sammlung bis 1889. Während vier Amtsperioden war Karsten Rektor der Universität Kiel. Er war maßgeblich bei der Gründung des "Naturwissenschaftlichen Vereins für Schleswig-Holstein" beteiligt und von 1855 bis 1899 dessen erster Vorsitzender. Von 1867 bis 1873 war er Landtagsabgeordneter für den Kieler Bezirk und von 1877 bis 1885 Reichstagsabgeordneter. Karsten starb am 20.3.1900 in Kiel.

Das Mineralogische Museum in der Küterstraße (1856 - 1885)Das Gebäude in der Küterstraße besaß drei Stockwerke. In den vorderen Räumen des Erdgeschosses befand sich das Mineralogische Institut. Neben einem kleinen "Auditorium" (mit einem großen runden Tisch, um den der Professor und die Studenten saßen) gab es einen Raum für die "oryktognostische" (d.h. mineralogische) Sammlung und einen für die "geognostische" (d.h. geologische) Sammlung. Im obersten Geschoss befand sich das physikalische Institut mit Arbeitsräumen und Zimmern für verschiedene Messapparaturen. Im mittleren Geschoss war die Dienstwohnung des Direktors (Karsten). Die Fassade war mit vier Büsten und vier Portrait-Medaillons ausgestattet, die von dem Berliner Bildhauer Heidel angefertigt worden waren. Die bewilligten Geldmittel waren durch den Kauf des Hauses und die Arbeiten für den Umbau aufgezehrt. Das Geld für das Honorar des Künstlers wurde durch die Eintrittsgelder einer Vorlesungsreihe aufgebracht, die die Professoren der philosophischen Fakultät "vor einem gemischten Publikum" hielten. In der Höhe des Geschosses des mineralogischen Instituts waren die Büsten von A.G.Werner (für die Mineralogie), R.J.Haüy (für die Kristallographie), L.v.Buch (für die Geologie) und G.v.Cuvier (für die vergleichende Zoologie) aufgestellt. Im oberen Bereich des physikalischen Instituts waren die Portrait-Medaillons von Galilei, Descartes, v.Guerike und Newton angebracht.

1868 wurde ein neuer Lehrstuhl für Mineralogie (neben dem Karstenschen für Physik und Mineralogie!) eingerichtet und mit Ferdinand Zirkel besetzt. Der zunehmende Platzbedarf der Physik führte schließlich dazu, dass die Mineralogie 1884 das Gebäude in der Küterstraße verlassen musste. Es wurden Zimmer in der Brunswiker Straße angemietet, und die Exponate der mineralogischen Sammlungen wurden in Kisten verpackt und in Kellerräumen der Universität (im Schlosspark) gelagert. In mehrfachen Vorstößen bei der Universitätsverwaltung wurde die Notwendigkeit neuer Räumlichkeiten für die mineralogischen Sammlungen und das mineralogische Institut betont. Erst nach der Berufung von Johannes Lehmann (1886) auf den mineralogischen Lehrstuhl wurde der Neubau in Angriff genommen.

Johannes Lehmann-HohenbergJohannes Lehmann wurde am 11. April 1851 in Königsberg geboren. Nach dem Studium der Naturwissenschaften in Bonn ging er als Sektionsgeologe zur geologischen Landesaufnahme nach Sachsen. Er sammelte dort umfangreiches Material, das später in zahlreichen Publikationen und vor allem in seinem Hauptwerk über die altkristallinen Schiefergesteine seinen Niederschlag fand. 1877 heiratete er die Tochter eines begüterten Spinnereibesitzers aus Arnsdorf. 1879 kehrte er nach Bonn zurück, wo er sich 1880 habilitierte. 1884 wurde er auf ein Extraordinariat nach Breslau berufen, 1886 erfolgte der Ruf auf das Ordinariat in Kiel. Das Vermögen seiner Frau erlaubte ihm, eines der schönsten Anwesen der Stadt zu kaufen, das Haus Hohenberg (in Düsternbrook hinter der Pauluskirche, Hohenbergstraße 4, Architekt Heinrich Moldenschardt), welches bald Ort vieler gesellschaftlicher Veranstaltungen war; er nannte sich daraufhin, um sich von zahlreichen Namensvettern zu unterscheiden, "Lehmann-Hohenberg". Im Hinblick auf den dringenden Neubau eines mineralogischen Instituts machte der vermögende Lehmann der Universität das Gelände zum Geschenk und erreichte dadurch, daß das sehr geräumige und gut eingerichtete Institut am Schwanenweg nach seinen Plänen und Angaben gebaut wurde. Prächtige Granitsäulen in den Museumsräumen und steinerne Treppen waren ein weiteres Geschenk Lehmanns. Eine meterhohe Marmorstatue "Psyche" des damals berühmten Bildhauers Cauer ergänzte die üppige Ausstattung. 1891 wurde der Neubau fertiggestellt. Die offizielle Eröffnung verzögerte sich jedoch bis zum Jahre 1896, weil in der Tischlerei, in der die Museumsmöbel hergestellt wurden, ein Brand ausbrach. Nach einigen Jahren wissenschaftlicher Fruchtbarkeit wandte sich Lehmanns Interesse jedoch zunehmend gesellschaftspolitischen Problemen zu. Zunächst unterstützte er die Bestrebungen des Oberstleutnants von Egidy zur Religionserneuerung, indem er Geldmittel zur Herausgabe der Zeitschrift "Einiges Christentum" beisteuerte.

Villa Lehmann in der Hohenbergstraße 4, Zeichnung der Gartenansicht des Architekten Heinrich MoldenschardtEs erschienen Veröffentlichungen von Lehmann mit Titeln wie: "Über die Verpflichtung der Naturwissenschaftler, an der Lösung der religiösen und sozialen Fragen mitzuarbeiten", oder: "Universitätsreform! Einheitlicher Aufbau des gesamten Staats- und Gesellschaftslebens auf der Naturerkenntnis der Gegenwart." Nach der Trennung von v. Egidy gründete Lehmann zur Fortführung seiner Reformbestrebungen die Tageszeitung "Kieler Neueste Nachrichten", einem Vorgänger der heutigen "Kieler Nachrichten", zu deren Redakteuren zeitweise auch der später berühmte Bodenreformer Adolf Damaschke (nach dem in Kiel-Hammer eine Straße benannt ist) gehörte. Die Bekanntschaft mit dem Rechtsanwalt Bleicken, der sich öffentlich für die Reform des deutschen Rechtswesen einsetzte, veranlasste Lehmann zur Gründung des "Deutschen Rechtsbundes" und zur Herausgabe der Zeitschrift "Volksanwalt". Diese Aktivitäten führten nicht nur zur völligen Vernachlässigung seiner Pflichten als Professor der Mineralogie, sondern schließlich auch zum finanziellen Ruin. Seine Frau, die diese Entwicklung ängstlich verfolgte, äußerte einmal zu Damaschke: "Die glücklichsten Stunden meines Lebens waren die, als wir noch von unserem bescheidenen Gehalt lebten und mein Mann und ich hinauszogen und ich in der Schürze die Steine sammelte, die er dann untersuchte." 1902 führte die Veröffentlichung eines "Offenen Schreibens an S. Exzellenz, den Kanzler des Deutschen Reiches, Herrn Grafen von Bülow, betreffend die Unzulänglichkeit unseres Staatswesens" zur Einleitung eines Disziplinarverfahrens, das wegen "schwerer öffentlicher Beleidigung hochgestellter Beamter, namentlich des Herrn Kriegsministers, des Herrn Justizministers sowie der Juristen des Deutschen Reiches" zur Dienstentlassung und Verlust des Gehalts und Titels führte. Das Staatsministerium hat im Januar 1904 dieses Urteil bestätigt mit der Milderung, daß 3/4 des Gehalts auf Lebenszeit zu gewähren seien. 1904 siedelte Lehmann nach Weimar über und führte seinen Kampf in seiner neuen Zeitschrift "Der Rechtshort" weiter. 1914 wurde er nach Veröffentlichung einer weiteren Kampfschrift wegen "Beleidigung von Juristen und Sachverständigen" zu 12 Monaten Gefängnis verurteilt. Er entzog sich der Verhaftung durch Studienreisen in Deutschland. Als er 1917 in Stuttgart durch eine einsame Straße zum Mittagessen ging, erkannte ihn ein Polizist, und er mußte die 12 Monate Gefängnis verbüßen. Er starb verarmt 1925 in Weimar. - Johannes Lehmann-Hohenberg war eine Persönlichkeit "mit Ecken und Kanten"; sein Handeln war von einem hohen Idealismus geprägt.

Mineralogisches Institut und Museum am Schwanenweg (1896 - 1944)Das mineralogische Institut und Museum im Schwanenweg fiel in der Nacht vom 26. auf den 27. August 1944 einem Bombenangriff zum Opfer und wurde vollständig zerstört.

1970 wurde das heutige Museum auf dem Universitätscampus (Westring/Olshausenstraße) eröffnet.






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