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 Paläontologie und Historische Geologie
Letzte Änderung
11.03.2009
 

Altersbestimmung und Wachstumsrhythmik rezenter Bryozoen

Beate Bader & Priska Schäfer


Das Wachstum von Bryozoen wird nicht nur vom artspezifischen Lebenszyklus, sondern auch von den Umwelteinflüssen direkt gesteuert. Saisonalität der Umweltparameter Temperatur und Nahrungsangebot finden ihren Ausdruck in der Skelettmorphologie sowie in den Regene­rationszyklen der Bryozoen. Während in niederen Breiten die Temperatur ein steuernder Fak­tor für Wachstumsrhythmik, wird in polaren Gebieten das Wachstumsmuster in Bryozoenskeletten mehr von der Verfügbarkeit der Nah­rung als der Wassertemperatur gesteuert. Da Bryozoen Umweltveränderungen in den Wachstumsstrukturen ihrer Skelette dokumentie­ren, können Sauerstoff- und Kohlenstoffisotope dazu benutzt werden, um Wachstumsrhythmik und Alter einzelner Bryozoenkolonien zu bestimmen.


Temperierte Region: Nordbretagne


Die cheilostome Bryozoe Cellaria ist eine der dominantesten Bryozoen auf dem Schelf der Nordbretagne und kommt in einer Wassertiefe von 70-80 m vor. Anhand von stabilen Sauerstoffisotopen-Untersuchungen kann für eine Cellaria sinuosa -Kolonie ein Mindestalter von mindestens 1-1.5 Jahren berech­net werden. Weiterhin zeigen die untersuchten Kolonien unterschiedliche Zeitabfol­gen, die auf laterale Knospung und Regeneration abgebrochener Internodien zurückzuführen sind. Dies bedeutet, daß die Lebensdauer von Cellaria sinuosa sich nicht nur in der Gesamt­höhe der Kolonie, sondern auch im seitlichen Zuwachs und der Regeneration von neuen Inter­nodien widerspiegelt.


Die jährliche Wachstumsphase von Cellaria sinuosa wird durch die saisonalen Schwankun­gen des Umweltparameters Wasser­temperatur gesteuert. Die Hauptwachstumsphase liegt in den wärmsten Monaten August/September, während der geringste Zuwachs in den kältesten Monaten Januar/Februar/März erfolgt. Die einzelnen Kolonien wachsen durchschnittlich 40 mm pro Jahr, somit liegen die Zuwachs­raten für Cellaria sinuosa zwischen 100 mg/Jahr/Kolonie und 160 mg/Jahr/Kolonie.


Die berechneten Temperaturen zeigen für beide Kolonien eine Saisonalität mit einem Sommer, Winter, Sommer-Rhythmus. Die Schwankungen des Kohlenstoffs resultieren aus den aufeinanderfolgenden Phytoplanktonblüten im Frühjahr und späten Sommer.


Polare Region: Weddelmeer/Antarktis


Die Bryozoenarten Melicerita obliqua, Cellarinella nutti und Cellarinella rogickae sind dominierende Organismen auf dem östlichen Schelf des Weddellmeeres und zeigen in ihrer Skelettmorphologie eine deutliche Wachstumsrhythmik. Die Interpretation der stabilen Isotope lassen einen jahreszeitlichen Rhythmus der Internodien bzw. Nodien im Skelett von Melicerita obliqua, Cellarinella nutti und Cellarinella rogickae für die d 13C-Werte zu. Es ist zu vermuten, dass die untersuchten Bryozoen einen großen Teil ihres benötigten Kohlenstoffs aus der Nahrung entnehmen.