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  Paläontologie und Historische Geologie
Letzte Änderung
11.03.2009
 

DFG Projekt ER 278/2-1. u. 2-2

Radiation der ordovizischen Bryozoen


Laufzeit: 1.10.2000-30.09.2002


Ausführung: A. Ernst


Das DFG Projekt ER 278/2-1. u. 2-2 beschäftigte sich mit der Untersuchung von Mustern der frühen Radiation der Bryozoen sowie deren Diversitätsschwankungen und biogeographische Variationen im Laufe des Ordoviziums. Hierzu wurden die heute existierenden Kenntnisse über die ordovizischen Bryozoen, ihre Morphologie, Systematik sowie ihre stratigraphische und geographische Verbreitung zusammengefasst, präzisiert und erweitert. Zu diesem Zweck wurde auch das Material aus den Typussamlungen der ordovizischen Bryozoen (Moskau, London, Montpellier, Oslo) sowie das eigene Material aus dem Baltischen Gebiet (Estland, NW-Rußland) untersucht.


Normalisierte Artendiversität der ordovizischen Bryozoen

(Aus: Taylor, P. D. T., & Ernst, A. (2004): Bryozoan diversification during the Ordovician. - In: "Ordovician Biodynamics: Global Patterns of Rising Biodiversity", Edited by Barry D. WEBBY, Mary L. DROSER and Florentin PARIS, Part 3: Taxonomic groups. pp. 147-156.)


Die frühe Evolution der Bryozoen im Ordovizium kann in drei Etappen gegliedert werden:


1. Etablieren der „Pionier“-Vergesellschaftungen in einzelnen Schelfregionen (?Tremadoc-Arenig-Llanvirn).


2. Schnelle Radiation auf den Schelfen, Eroberung unterschiedlicher Lebensräume, ausgeprägter Provinzialismus (Llandeilo-Caradoc).


3. Zwei Austerbeereignisse, welche die Bryozoenfaunen im Ashgill erheblich reduzierten.


Somit lassen sich für Bryozoen folgende Evolutionsmuster und –mechanismen aufzeichnen:


1. Entscheidend für den Start der Radiation war die Entwicklung des kalkigen Skeletts (anscheinend im unteren Tremadoc). Dadurch verbesserte sich der Mechanismus der Polypidbewegungen (speziell bei Cyclostomida und anscheinend auch bei allen paläozoischen Stenolaemata durch Entwicklung von Membranensack), was zur verbesserten Nahrungsaufnahme geführt hat. Das kalkige Skelett bietet auch verbesserten Schutz.


2. Ein rigides Skelett bietet aber auch mehr Möglichkeiten zum variieren der Formen als ein Weichkörper. Dies war eine wichtige Voraussetzung für die Radiation innerhalb der sich bietenden ökologischen Nischen.


3. Radiation der Bryozoen wurde während des Ordoviziums durch folgende Faktoren beeinflusst:


- Lebensraum, seine Beschaffenheit, Vielfalt der ökologischen Nischen.


- Klima und damit verbundene eustatische Meeresspiegelschwankungen.


- Konkurrenz von anderen bentischen Organismen (Korallen, Stromatoporen).



Dittopora annulata (Eichwald 1860) (Oberes Ordovizium, Russland). Maßstab - 4 mm.



Kukersella borealis (Bassler 1911) (Oberes Ordovizium, Russland). Foto Paul D. Taylor, NHM London.


Unbeschriebene cryptostome Bryozoe (oberes Ordovizium, Russland). Maßstab - 7 mm.