Abgeschlossene Projekte
(Auswahl)
Holozäne Küstenentwicklung, Meeresspiegelschwankungen und terrigene
Sedimentation am Kontinentalschelf bei Toliara (Itafy - St. Augustin), SW-Madagaskar
Das Gesamtziel der geplanten Untersuchungen liegt in der
Rekonstruktion und Bilanzierung der zur Zeit noch wenig bekannten
Küstenentwicklung und der Meeresspiegelschwankungen
an der Südwestküste von Madagaskar während des Holozän sowie in der
Analyse der heute ablaufenden hydro- und sedimentdynamischen
Prozesse am Kontinentalschelf.
Regenerierung von Materialentnahmestellen in der Nord- und Ostsee
Laufzeit: 1999 bis 2002
Der Abbau mariner Sand- und Kieslagerstätten hat naturgemäß Änderungen
der Topographie und Sedimentbedeckung des Meeresboden zur Folge.
Im Rahmen des Forschungsvorhabens wurden an ausgewählten Entnahmegebieten
in Nord- und Ostsee die räumliche und zeitliche Dimension der Prozesse
untersucht, die eine Regenerierung der Lagerstätten kontrollieren.
Das Vorhaben basiert auf einem sedimentologisch-hydrographischen
Messprogramm mit saisonalen Wiederholungsaufnahmen sowie der Auswertung
vorhandener Datenbestände, um die morpho- und sedimentdynamische
Entwicklung bei der Ausbeutung von Massenrohstofflagerstätten vergleichen
und bewerten zu können. Neben Fragen zur Art der physikalischen
Prozesse und zeitlichen Dimension der Umgestaltung sind Größe der
beanspruchten Ausgleichsflächen und Auswirkungen auf die natürlichen
Sandtransportsysteme im Hinblick auf den küstennahen Sedimenthaushalt
von zentralen Interesse.
Vereisungsgeschichte der West- und Ostantarktis in Beziehung zu den globalen
Meeresspiegel- und Klimaschwankungen (ODP Legs 178, 188)
Laufzeit: 2000 bis 2001
Im Rahmen dieses Auswerteprojekts von ODP-Kernen vom west- und
ostantarktischen Kontinentalrand mit Hilfe eines Multiproxy-Parameteransatzes
(Korngrößenvariationen, mineralogische Zusammensetzung der Grob-
und der Tonfraktion, Produktivitätsindikatoren) sollen offene
Fragen zur känozoischen Vereisungsgeschichte beantwortet werden,
wobei Volumenänderungen der antarktischen Eisschilde, die Bestimmung
von Eisrandlagen sowie die Tiefen- und Bodenwasserzirkulation
im Südpolarmeer im Vordergrund stehen.
Sedimentdynamik und Küstenentwicklung im Mündungsgebiet des
Rio Acu (Rio Grande do Norte, Nordost-Brasilien)
Laufzeit: 1998 bis 2000
In enger Zusammenarbeit mit dem brasilianischen Partnerinstitut,
Departamento de Geologia der Universität Natal wurde mit sedimentologischen
Untersuchungen an der Mündung des Rio Acu und der westlich und
östlich anschließenden Atlantikküste begonnen. Aus der Untersuchung
von Schwermineralen in ihrer flächenmäßigen und stratigraphischen
Verteilung konnten von der Flußmündung ausgehend wichtige Tracer
für die Erfassung der Sedimentdynamik, vor allem des küstennahen
Sedimenttransports in der benachbarten Küstenzone und der Dispersion
des fluviatilen Eintrags am Innenschelf gewonnen werden.
Känozoische Geschichte der Vereisung und der
Meeresspiegelschwankungen der Antarktis (Antarctic Peninsula ODP Leg 178)
Laufzeit: 1998 bis 1999
In diesem Projekt wird neues Datenmaterial zur bisher noch nicht
ausreichend erklärten känozoischen Vereisungsgeschichte mit ihren
glazio-eustatisch kontrollierten Meeresspiegelschwankungen im
pazifischen Kontinentalhangbereich der Antarktis vorgelegt. Dazu
standen Sedimente aus neun ODP Bohrungen in einem Transekt vom
Schelf biszur Tiefsee zur Verfügung. Die Arbeiten konzentrierten
sich auf die Rekonstruktion des Sedimentationsgeschehens im Bereich
der Tiefsee seit dem Obermiozän. Die Sedimente der Bohrungen sind
durch glazial erodierten, terrigen dominierten partikeleintrag
charakterisiert. Die Akkumulation in den Driftkörpernerfolgt im
Wechsel von kontinuierlicherhemipelagisch und glazial geprägter
Sedimentation.
Einfluss von Steiluferabbrüchen an der Ostsee auf die
Prozessdynamik angrenzender Flachwasserbereiche
Laufzeit: 1995 bis 1999
In diesem Vorhaben wurden Modellvorstellungen über die Wechselwirkungen
zwischen den hydrodynamischen Kräften in Form von Seegang und
Strömungen, dem Rückgang von Steilufern, der Vertiefung der vorgelagerten
Schorre und dem anschließenden Sedimenttransport entwickelt werden.
Die Untersuchungen erfolgten in den drei unterschiedlich exportierten
Küstenabschnitten Schleswig-Holsteins, Schönhagen, Heiligenhafen
und Brodten.
Sedimentologische Untersuchungen im Rotliegenden bei Bebertal
(Sachsen-Anhalt)
Laufzeit: 1997 bis 1999
Ausgehend von einer geologischen Kartierung wurde in einigen Steinbrüchen
der Flechtinger Bausandstein des Oberrotliegenden sedimentologisch
untersucht, um dessen Eigenschaften als Erdölspeichergestein zu
erfassen. Die einzelnen dreidimensional erfaßbaren Sedimentkörper
wurden überwiegend als Barchane oder barchanoide Transversaldünen
klassifiziert. Die einzelnen Dünenkörper mit großdimensionalen
Foreset-Schrägschichtungsblättern erstrecken sich horizontal über
mindestens 50 Meter, erreichen Höhen von 2.5 Meter und wurden
bei vorherrschend Nordost-Winden gebildet. Petrographisch ist
der Flechtinger Bausandstein als Litharenit bis arkosereicher
Litharenit einzustufen. Aus den Porositäts- und Permeabilitätsuntersuchungen
läßt sich ein Zusammenhang zwischen Verminderung der axialen Permeabilität
und zunehmender Laminationsdichte ableiten, vor allem an Grenzflächen
mit starker Grainfall-Lamination, welche Permeabilitätsbarrieren
bilden.
Sedimentdynamik im Amazonas-Mündungsgebiet
Laufzeit: 1993 bis 1996
Im Mündungsgebiet des Amazonas (Einmündung Rio Xingu - Macapa
- Estreitos de Breves - Nordkanal - Südkanal) wurden flachseismische
und seimentologische Untersuchungen durchgeführt. Das Gebiet stellt
einen hochenergetischen Sedimentationsraum dar, in dem im Jahresgang
nach bathymetrischen und seismischen Befunden große Mengen an
Sediment abgetragen, transportiert und abgelagert werden. In Phasen
mit erhöhter Wasserführung läßt sich nach direkter Beobachtung,
seismischen Profilen und Suspensionsmessungen verstärkte Erosionsaktivität
nachweisen. Aus der Interpretation der seismischen Untersuchungen
in Verbindung mit der umfangreichen Beprobung der Oberflächensedimente
konnte eine Sedimentverteilungskarte des Mündungsgebietes erstellt
werden, die das Vorherrschen sandiger Sedimente im gesamten Mündungsgebiet
dokumentiert. Schwermineralverteilungen und geochemische Analysen
(Haupt- und Spurenelemente) der Oberflächensedimente geben Hinweise
auf die Herkunft der Sedimente: Die Signatur der Anden im Ursprungsgebiet
des Amazonas-Systems wird im Mündungsgebiet zu großen Teilen vom
Sedimenteintrag aus den stark verwitterten präkambrischen Schilden
im Norden und Süden des Amazonas überdeckt. Einige AMS-14C Datierungengeben
wichtige Hinweise zum Verlauf der postpleistozänen Transgressionsgeschichte
im Amazonas-Mündungssystem.
Sedimentologie und Entwicklung des Turpan-Beckens in
Nordwestchina
Laufzeit: 1993 bis 1996
Aus der Lithofazies, der Petrologie und Geochemie von Sandsteinen
wurde die Entwicklungsgeschichte des Turpan Beckens vom Perm bis
zum Miozän rekonstruiert. Herzynische tektonische Bewegungen leiten
die Beckenbildung im Perm verbunden mit starker Subsidenz und
grobklastischer Sedimentation ein. Trias und Jura bestehen aus
fluviatil-lacustrinen Sedimenten, die im Grenzbereich Jura/Kreide
von grobklastischen Sedimenten in der Folge der Yanshan-Tektogenese
abgelöst werden. Während der Kreide wurden überwiegend lakustrine
Sedimente abgelagert, die wiederum im Tertiär von fluviatilen
Sedimenten überlagert werden, welche im Zusammenhang mit der Orogenese
des Himalaya stehen, die eine Heraushebung der umgebenden Liefergebiete
und eine neuerliche Subsidenzphase im Turpan-Becken selbst verursacht.
Projekt ODER (Oder Discharge - Environmental Response):
Sedimentdynamik und Stoff-Flüsse in der Oder-Rinne und im südlichen Arkona-Becken
Laufzeit: 1993 bis 1995
Bei der Untersuchung oberflächennaher Sedimente wurden die Schwerpunkte
auf hochauflösende Sidescan Sonar Kartierung und deren Auswertung
sowie auf die sedimentologische Untersuchung von Kastengreifer-Proben
gelegt. Mit Hilfe der akustischen Kartierung konnten detaillierte
Ergebnisse von Oberflächenmorphologie und -strukturen gewonnen
werden. In Kombination mit der Auswertung der Kastengreiferproben
zeigte sich, daß die Sedimentakkumulation durch Sturmflutsedimentation
gesteuert und durch Schleppnetzfischerei teilweise wieder zerstört
wird. Wegen dieser ereignisabhängigen Sedimentation können keine
kontinuierlichen Sedimentations/Akkumulationsraten errechnet werden,
welche für die in weiterer Folge geplanten 210Pb-Datierungen der
jüngsten Sedimente vorausgesetzt werden müssen. Die Korrelation
von Sedimentkernen ist nur teilweise über Sturmflutlagen möglich.